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JUTTA MATTERN
DIE GEHEIMNISSE DER RETINA

Einen idealeren Standort als den Festsaal im spätklassizistischen Gebäude des Bahnhofs Rolandseck hätte Werner Klotz für sein Wahrnehmungsinstrument Father’s Window, das dort seit 2004 zu sehen ist, wahrlich nicht finden können: Eingebaut anstelle der Fensterflügel in die Laibung eines der großen Fenster, empfängt die Skulptur – auf der Schnittstelle zwischen innen und außen – allmorgendlich die aufgehende Sonne. Klotz nutzt dabei diesen Ort, der per se unsere Blicke auf ein Außenliegendes freigibt und lenkt. Durch das Fenster schweift der Blick über die Landschaft des Rheintals mit den Hügeln des Siebengebirges, dem strömenden Rhein, der uns mit seiner Kraft und seinen stetigen Fließbewegungen bezaubert und in Atem hält.

Werner Klotz, in Bonn geboren und mit der Schönheit des Rheintals vertraut, wählt für seine Arbeit – in dieser so belebten und sich im wechselnden Licht der Tages- und Jahreszeiten verändernden Szenerie – den Titel Father’s Window. Anders als mit seinen ironisch-poetischen, auf Mythologisches oder Pseudowissenschaftliches anspielenden Titeln, wie zum Beispiel die Reisebar des Dionysos, Cheval Syndrome der Intellektuellenfalle, stellt er hier einen Bezug zu ganz privaten Ereignissen her. Denn der Tod seines Vaters und die Geburt seiner Tochter fallen genau mit dem Zeitpunkt der Realisierung seines Rolandsecker Werks zusammen. Man könnte sagen, Werner Klotz lässt mit Father’s Window – ausnahmsweise und daher bemerkenswert für sein Œuvre – eine emotionale Facette zu.

Father’s Window gehört zu den skulpturalen Arbeiten, mit denen sich Werner Klotz seit 1990 intensiv beschäftigt und die er als »Wahrnehmungsinstrumente« bezeichnet. Man könnte sie auch als Beobachtungsinstrumente verstehen, die der Welt technischer und medizinischer Laboratorien angehören könnten, wären da nicht die genuin künstlerische Idee und der Umgang mit Material und Form, der die Instrumente als Skulpturen ausweist. Und dennoch, diese Kunstwerke beherbergen ein optisches Instrumentarium, mit dessen Hilfe wir die von Werner Klotz anvisierten Wahrnehmungsverläufe und möglichkeiten erkunden können. Dabei geht es zwar einerseits um objektiv messbare Daten physikalischer Phänomene, aber andererseits um unsere ganz subjektiven Seherfahrungen, die gerade im Hinblick auf Spiegelarbeiten an Prozesse der Selbsterkenntnis gekoppelt sind. Wohlbedacht und ein wenig doppeldeutig verwendet Werner Klotz in einigen Titeln seiner Werke das Wort Syndrom und rückt seine Arbeiten damit in die Nähe naturwissenschaftlicher Kontexte. Der Begriff Syndrom, hier nicht in einem pathologischen Kontext verwendet, beschreibt vielmehr das Auftreten und Zusammentreffen einer oder mehrerer – gleichzeitiger – »Sehsymptome«, die seinen Arbeiten zu eigen sind. Ausgangspunkt seiner Werke sind diejenigen Erfahrungen des Sehens, die an die Phänomene der Spiegelungen und damit der unterschiedlichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten gebunden sind. Werner Klotz kombiniert dabei ästhetische Anschauung und die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschungsergebnisse miteinander und überrascht uns mit komplexen wie irritierenden Spiegellabyrinthen, die allesamt zur aktiven Wahrnehmung auffordern. Er spielt mit den Möglichkeiten, den Bildraum wie auch den Gesichtsraum mit Hilfe von Spiegeln zu erweitern. Dadurch kann der Betrachter stärker miteinbezogen, in optische Verwirrspiele verstrickt und an die Grenzen seiner Wahrnehmungsmöglichkeiten gebracht werden. Das menschliche Auge wird zum unabdingbaren Komplizen von Werner Klotz’ Arbeiten. Das Auge als optischer Apparat ermöglicht uns überhaupt erst, ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Geheimnisträgerin ist die Retina, die ähnlich einer Leinwand als Projektionsfläche für die Abbildung unserer Umgebung dient und für das, was wir sehen, verantwortlich ist. Durch Lichtreize hervorgerufene Erregungen – Nervenimpulse – werden an die Hirnregion weitergeleitet und dort aufgrund von Wahrnehmungserfahrungen und individuellen Alltagserfahrungen zu dem weiterverarbeitet, was wir als Gesehenes erleben.

Solch ein hochkomplexes wie faszinierendes Erlebnis wird uns durch das Rolandsecker Kunstwerk Father’s Window zuteil. Es ist das außerordentliche Ergebnis eines von Werner Klotz jahrelang künstlerisch bearbeiteten Experimentierfeldes. Man könnte es als Essenz verschiedener vorangegangener »Wahrnehmungsinstrumente« sehen. Einmalig ist hier deren Zusammenspiel als ein wohldurchdachtes Konglomerat, das gleichzeitige potenzielle Wahrnehmungserlebnisse bereithält und vereint. So spielt das Sisyphus-Syndrom (1992) ebenso eine Rolle wie die Weiterentwicklung des Unidad Syndromes (1991) sowie die Intellektuellenfalle (1995), die in ihrer ursprünglichen Form in der Ausstellung zu sehen ist.

Bevor wir die so sorgfältig konzipierte Arbeit, die gleich einer semipermeablen Membran das Innen und Außen voneinander trennt, mit unserer Seh- und Hörfähigkeit durchdringen, tauchen wir ein in das Kerngehäuse aus hochpoliertem Edelstahl, Glas, Spiegeln und mundgeblasenen Seh- und Hörrohren. Diese sind in der Höhe unterschiedlich, sodass beide Sinneswahrnehmungen immer unter dem aktiven Einsatz des gesamten Körpers geschehen müssen. Je nach Größe des Betrachters sind die Knie leichter oder stärker gebeugt, der Kopf entsprechend nach vorne verschoben, sodass in gebückt suchender Haltung ein Auge auf die gläsernen Ausstülpungen der Sehrohre möglichst passgenau angelegt werden kann, während sich gleichzeitig ein Ohr an die Öffnung einer Hörmuschel schmiegt. Der Suchende umfasst dabei die jeweiligen Sehrohre, um seine möglichst optimale Position des fokussierten Sehvorgangs zu festigen. Mit gleichsam detektivischem Blick nähern wir uns so dem verborgenen Innenleben von Father’s Window, einem Hybrid aus Skulptur und technoider Apparatur.

Wir wählen eine kreisförmige Auslassung, bei der die Versilberung des Spiegels entfernt wurde, um uns damit den Blick in einen unendlich scheinenden Spiegelraum zu ermöglichen. De facto sind es lediglich zwei Spiegel, die in einem Winkel von 60 Grad zueinander stehen, aber wir verlieren uns in einem schier unbegrenzten Raum, bei dem wir unseren Körper hinter uns zu lassen scheinen und gleich einem Gegenzauber unser Konterfei in vielfacher Wiederholung und immerwährender Konfrontation erblicken. In Anlehnung an die Intellektuellenfalle, bei der das Gegenüber auf die Augen beschränkt bleibt, treffen hier Raumerweiterung und Bewusstseinserweiterung aufeinander. Seltsam distanziert und uns aus der Ferne wahrnehmend, stehen wir einer Person gegenüber, die wir selbst sind. Dieser merkwürdig entfremdete Blick auf uns wird noch verstärkt, indem an der rechten Seite gleich einem Zuschauer nochmals unser Antlitz auftaucht und durch die beobachtende Haltung aus einem scheinbar anderen Raum heraus die Ich-Entfremdung und Distanz in ein Zwischenreich von Realität und virtueller Welt abgleiten lässt. Jacques Lacans Theorie über das »Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion«* während des entwicklungspsychologischen Abschnitts zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat, in welchem sich das Kind als ganzheitliche Einheit und Gestalt begreift, freudvoll erkennt und fortan in der weiteren Entwicklung bis zum hin zum Erwachsensein identitätsbildend und ichverfestigend ist, gerät hier ins Wanken. Stabilität gewinnt der Betrachter, indem der dem Innenleben von Father’s Window den Rücken kehrt – sich umdreht – und sein Abbild ganzkörperlich und unmittelbar in einem Standspiegel erblickt und so die zuvor durchlebte, beinahe halluzinatorische Seherfahrung abschüttelt. Die Welt scheint wieder in Ordnung. Dieser Standspiegel, dessen Rückseite Werner Klotz mit einer ornamentalen Struktur versehen hat, ist das Gegenstück und unabdingbares optisches Instrument des Sisyphus-Syndroms, dem wir einige Zeilen weiter unsere Aufmerksamkeit schenken werden. Werner Klotz bekräftigt mit dieser Textur nochmals die Standortbestimmung seiner Skulptur am Rhein und deren grundlegende Ausrichtung und Beziehung zum Außenraum: Denn das, was in ein hellblau-graues Farbenspiel eingetaucht ist, ist eine Komposition aneinandergereihter Einzelaufnahmen. Sie entstammen einem Video von der Wasseroberfläche des Rheins, das vom Künstler in unmittelbarer Nähe zum Arp Museum gedreht wurde.

Seine grundlegende Affinität zu fließenden Gewässern belegen auch Werner Klotz‘ Fotografien einer wundersamen Welt, die sich farben- und formenprächtig dicht unter der Wasseroberfläche entfaltet. Sie durchziehen die Ausstellung, insbesondere in der Nachbarschaft zu Father’s Window im Festsaal des Bahnhofs, mit einem poetischen und geheimnisvollen Fluidum.

Unserer Neugierde, der Faszination an optischen Ereignissen und dem Erkenntnistrieb folgend, gehört nun unsere volle Aufmerksamkeit der rechten Seite der »okularen Rolandsecker Wunderkammer« mit dem Seh- und Hörapparat und dem bereits erwähnten Standspiegel des Sisyphus-Syndroms. Ausgehend von der zuvor beschriebenen Körperposition, legen wir unser linkes Auge behutsam an die Ausstülpung eines Okulars und gleichzeitig unser rechtes Ohr an eine gläserne Hörmuschel, die sorgsam von hochpolierten Edelstahl ummantelt ist. Der Vorgang des gleichzeitigen Hörens und Sehens gerät zu einem ebenso irritierenden wie herausfordernden Unterfangen. Gefragt ist höchste Konzentration bei beständiger Fokussierung. Im täglichen Leben verlaufen Hören und Sehen synchron und werden neurophysiologisch ohne besondere Anstrengungen gleichzeitig verarbeitet. Hier hingegen erleben wir den Prozess in Form von zwei voneinander vollkommen getrennten sinnlichen Erfahrungen, die in zwei Richtungen verlaufen: nach innen und nach außen. Dabei sind wir nur noch Auge und Ohr – scheinbar losgelöst vom Rest unseres Körpers. Das Sehen führt erstens in das Innenleben der Skulptur, und das Hören erreicht zweitens den Außenbereich. Im ersten Fall finden wir uns in einer merkwürdig-rätselhaften Situation wieder: Beim Schauen durch das Sehrohr erblicken wir uns selbst von hinten, wie wir durch selbiges schauen. Das lässt uns an René Magrittes berühmtes Gemälde La Réproduction interdite aus dem Jahre 1937 denken, das jeglicher Logik widerspricht, weil der Mann vor dem Spiegel nicht sein Gesicht, sondern seinen Hinterkopf und seinen Rücken sieht, das heißt eine physikalische Unmöglichkeit vorführt. Der von Werner Klotz in der Größe exakt festgelegte und positionierte Standspiegel sowie die optische Beschaffenheit des Sehrohrs erlauben uns, dieses irritierende Wahrnehmungsphänomen auszuloten. Damit sind wir abermals in eine Situation versetzt, in der wir unsere Gestalt als beziehungslos zu dem Selbst erleben. Der Zustand der Selbstentfremdung ist dabei wieder an den Tatbestand der Selbstbeobachtung gebunden. Im zweiten Fall dringen leicht verfremdete Geräusche, die in einem stetigen Fluss die »Gehäusemembran« der Skulptur überwinden, an unseren Standort im Festsaal. Begleitet werden sie von beständigem Lufthauch, je nach Jahreszeit kühler oder wärmer, der auf unser Ohr trifft. Diffus ist diese Geräuschkulisse: Gesprächsfetzen von der Terrasse, ein Rauschen des Windes, ferne Motoren- und Fahrgeräusche der nahe gelegenen Bundesstraße 9. Beides miteinander zu verknüpfen und zeitgleich zu verarbeiten fällt schwer. Angestrengt versuchen wir, die entgegengesetzten Richtungsabläufe unserer Sinneserfahrungen immer wieder aufs Neue zu einer Einheit zusammenzusetzen und als solche auch zu erfahren. Hier wird der Titel Sisyphus-Syndrom zum Programm und zur wahren Sisyphus-Aufgabe.

Um sich aus dieser fortwährenden Anstrengung zu befreien, wenden wir uns der linken Seite von Father’s Window zu. Auch sie ist mit einem – allerdings niedriger angebrachten – Seh- und Hörrohr ausgestattet. Welch eine Wohltat: Hören und Sehen fallen hier zusammen, beide Vorgänge spielen sich im Außenraum ab, und das Hörerlebnis entspricht dem auf der rechten Seite. Das Seherlebnis ist an die außenliegende Realität gebunden, ohne dass unser Auge durch einen optischen Apparat zusätzlich gefordert wäre. Auch der oben erwähnte Lufthauch trifft in diesem Falle nicht nur das Ohr, sondern zugleich das Auge. Werner Klotz greift damit seine Arbeit des Unidad Syndromes wieder auf. Unser von ihm bewusst gelenkter Blick richtet sich auf die gegenüberliegende Rheinseite. Der damit verbundene gleichbleibende Bildausschnitt entspricht dem Querschnitt des Sehrohrs. Hier sind wir nun nicht mehr unserer Selbstbeobachtung ausgesetzt, sondern erspähen – förmlich auf der Lauer liegend – die wechselnden Szenerien und Geschehnisse in der Nähe des Fähranlegers am anderen Ufer. Und dennoch: Bei diesem Sehvorgang spielt der Künstler abermals mit unserer Wahrnehmung, wenn auch kaum merklich. Denn das Sehrohr ist bis zur Hälfte mit Wasser bedeckt, das sich in einem kleinen »Becken« auf der linken Seite innerhalb der Skulptur befindet. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde ein Teil des Glasrohrs schwimmen, sodass sich das Auge immer wieder scharf stellen muss, um trotz der optischen Impulse durch die Lichtbrechung im Wasser überhaupt fokussieren zu können. Aber dieser Vorgang bereitet uns keine sonderliche Mühe und lässt dem grundlegend entspannten Seherlebnis freien Lauf. Wir verlassen nun Werner Klotz‘ »Wahrnehmungsinstrument« mit seinem Kaleidoskop optischer Verwirrspiele, treten einige Schritte zurück und schauen aus der Entfernung noch einmal den gesamten Skulpturenkörper an. Den Blick von unten leicht nach oben gerichtet, entdecken wir gewissermaßen im letzten Moment im oberen Drittel in zwei voneinander getrennten Glaskästen mit zwei gleich großen, runden Aussparungen eine Art »Überkopfspiegelung«. Einmal ist es eine Glasplatte mit rundem Spiegelausschnitt, und einmal ist es eine Spiegelplatte mit rundem Glasausschnitt. Wieder lässt es sich der Künstler nicht nehmen, den Raum zu erweitern, indem er das Außengeschehen zu einem Teil des Innenraums werden lässt. Das, was zuvor an Geräuschen durch die Hörrohre manifest wurde, wird nun auch sichtbar, zumindest teilweise. Ohne Vorwarnung fahren die Autos auf der Bundesstraße 9 auf dem Kopf stehend augenscheinlich im Rauminneren im oberen Glaskasten gespiegelt an uns vorbei. Im unteren Glaskasten hingegen wird die Gartenanlage eingespiegelt. Und schöner kann es zum aktuellen Zeitpunkt nicht sein: Lasziv und monumental lagert hier als unübersehbarer Blickfang Henry Moores Plastik Large Reclining Figure, die uns den Weg zur zeitgleich stattfindenden Ausstellung Henry Moore – Vision. Creation. Obsession weist.

Werner Klotz versteht es meisterlich, seine »Wahrnehmungsinstrumente« und »Sehapparate« als Impulsgeber durch uns zu verlebendigen. Er schickt uns auf eine Reise in ein kaum fassbares Zwischenreich der Selbsterkenntnis, die an narzisstische Dopplungen des eigenen Selbstbildes gekoppelt ist und immer rätselhaft bleibt. Auf dem Weg dorthin erliegen wir dem Zauber, der Illusion, der Täuschung und der Entfremdung. Und dennoch: So manches Mal begreifen wir uns für einen Bruchteil einer Sekunde im Anblick unseres Abbildes tatsächlich als ein Ich, das wahrhaftig und gegenwärtig klar zu erkennen ist.

Solch ein Abbild belebter Realität auf dem Weg zur Identitätsfindung verwehrt uns einer der historischen überdimensionalen und fast blinden Spiegel im Festsaal des Bahnhofs Rolandseck. Wie von Zauberhand befindet dieser sich zwar fast gegenüber von Werner Klotz‘ Father’s Window, wurde vom Künstler allerdings bei der Realisierung seiner Skulptur nicht miteinbezogen. Der Spiegel blieb für ihn im Verborgenen. Es war kein anderer als Heinz Mack, einer der führenden Köpfe der Gruppe ZERO, der sich als Vertreter der lichtkinetischen Kunst mit Vorliebe spiegelnden Oberflächen widmete. Er organisierte 1966 zusammen mit Günther Uecker und Otto Piene das ZERO-Fest im Bahnhof, das als Zäsur der Bewegung gilt, da die Künstler anschließend eigene Wege gingen. Fasziniert von diesen Spiegeln signierte er sie sogar auf der Rückseite, stellte jedoch gleichzeitig klar, dass es sich nicht um autonome Kunstwerke handelt, sondern diese als Relikte des damaligen Geschehens anzusehen sind und inhaltlich mit dem Ort Bahnhof Rolandseck verbunden bleiben.

So wird dieser Spiegel, bei dem sich über viele Jahre hinweg die einst silberne Schicht in eine überwiegend blinde schwärzliche Bildfläche verwandelt hat, zu einem versiegelten magischen Raum, der der Vergangenheit angehört und die Selbstversuche zur Ich-Findung sowie die Ereignisse der kulturhistorisch bedeutsamen Geschichte des Bahnhofs Rolandseck einfach verschluckt hat – ein Bewahrer der Geheimnisse der Retina. Father’s Window hingegen steht für das Gegenwärtige und die lebendige Wahrnehmungsfähigkeit, die uns allen zu eigen ist und die uns auf fantastische Entdeckungsreisen mitnehmen kann.


*Jacques Lacan: »Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion, wie sie uns in der psychoanalytischen Erfahrung erscheint« (1948), in: Ders.: Schriften I. , ausgewählt und hrsg. von Norbert Haas, Weinheim/Berlin 1986, S. 61–70.